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Portrait

«Keinen ersten Satz ohne den letzten»

Vor genau zwanzig Jahren ist «Small World» erschienen, sein erster Roman. Seither hat Suter neun weitere Romane geschrieben und vier Kriminalgeschichten um den Hochstapler Allmen, der sich auf die Wiederbeschaffung gestohlener Kunst spezialisiert.

Wie bei all unseren früheren Treffen spricht Suter überlegt und ruhig, die Zeit spielt für ihn keine Rolle. Er hat die wunderbare Gabe, immer ganz im Moment zu sein. Suter ist ein guter Zuhörer, was dazu führen kann, dass man zu lange von sich selbst erzählt, bis man den Rollenwechsel bemerkt.

Zwischendurch reden wir über die Bücher im Regal. Mal blättern wir lange durch einen Band mit seinen schönen Fotografien, die auf Reisen mit seiner Frau Margrith und seiner Tochter Ana entstanden. Aber auch die über dem Schreibtisch befestigten Zettel mit Zitaten von Benn und Hölderlin beflügeln das Gespräch. Und was hat es mit dem grossen Schwarz-Weiss-Bild eines älteren Herrn auf sich, neben dem Schreibtisch? Sein Vater vielleicht?

Die Sache klärt sich auf, als es bereits dunkelt. Ich frage Suter nach seinen Vorbildern. Er antwortet, Vorbilder habe er eigentlich nicht, aber Figuren, die ihn faszinieren, schon. Er zeigt auf besagte Fotografie. Abgebildet ist Emil Hegetschweiler, ein Schweizer Volksschauspieler. Er war Mitbegründer des Cabaret Cornichon und spielte in vielen Filmen von Kurt Früh. Begegnet ist er ihm nie, als Hegetschweiler starb, war Suter noch ein Kind. Aber er hat in der Filmkopieranstalt, wo sein Vater technischer Direktor war, immer wieder Fragmente von Filmen gesehen, in denen Hegi spielte. Das Foto habe er aus dem Fundus des Cabaret Cornichon gekauft. Es sei eine Art Jugenderinnerung.

Wir duzen uns seit längerer Zeit, für dieses Gespräch in die Höflichkeitsform zu wechseln, das wäre gekünstelt gewesen.

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Was weckte in dir den Wunsch, Schriftsteller zu werden?

Das Schreiben. Als ich sechzehn war und die kindlicheren Berufswünsche wie Clown oder Urwalddoktor aufgab, wusste ich, dass das Schreiben mein Beruf werden sollte. Aber mit etwa neunzehn merkte ich, dass ich von der Schriftstellerei nicht würde leben können. Das war ein Problem, denn ich wollte all das, was ein junger Mann eben will: ausziehen von zu Hause, selbstständig sein, mit einer Frau zusammenleben. Natürlich zahlen einem das die Eltern nicht, jedenfalls meine nicht. Also musste ich einen Weg finden, um Geld zu verdienen.